1.Grundprinzip: wer punktet und wie
Die Grundregel ist einfach: nur die Mannschaft, die am Ende einer Aufnahme den Punkt hält, erzielt Punkte. Die verlierende Mannschaft erzielt nichts, auch wenn ihre Kugeln nah an der Zielkugel liegen. Danach zählt man die Anzahl der Kugeln der siegreichen Mannschaft, die näher an der Zielkugel liegen als die beste gegnerische Kugel.
Dieses Prinzip ergibt sich aus Artikel 27 des offiziellen FFPJP-Reglements: „Wenn alle Kugeln gespielt wurden, nehmen die Spieler die Zählung der Aufnahme vor. Die Mannschaft, deren Kugel am nächsten am Ziel liegt, erzielt so viele Punkte, wie sie Kugeln hat, die näher liegen als die beste gegnerische Kugel."
Konkretes Beispiel: Mannschaft A hat 3 Kugeln näher als die beste Kugel von Mannschaft B → Mannschaft A erzielt 3 Punkte. Mannschaft B erzielt 0 Punkte, auch wenn sie eine schöne Aufnahme hatte.
Ein wichtiger, oft missverstandener Punkt: man zählt NICHT alle Kugeln jeder Mannschaft, man zählt nur die Kugeln der siegreichen Mannschaft, die näher liegen als die beste gegnerische Kugel. Die Entfernung der anderen Kugeln ist für den Stand ohne Bedeutung.
2.Das offizielle Zählverfahren
In der Praxis ist dies das Verfahren, das das Reglement vorschreibt, Schritt für Schritt:
Schritt 1 — Die nächste Kugel bestimmen
Man beginnt damit festzustellen, welche Mannschaft die Kugel am nächsten an der Zielkugel hat. Wenn es mit bloßem Auge offensichtlich ist, perfekt. Wenn ein Zweifel bleibt, misst man (siehe unseren Artikel über die offizielle FFPJP-Messmethode). Dieser Schritt ist vor jeder Zählung unerlässlich.
Schritt 2 — Die Kugeln der siegreichen Mannschaft zählen
Danach zählt man, wie viele Kugeln der siegreichen Mannschaft näher an der Zielkugel liegen als die beste gegnerische Kugel. Auch hier wird im Zweifel über die Position einer Grenzkugel gemessen. Während dieser Phase hebt man nichts auf.
Schritt 3 — Einigung beider Mannschaften
Beide Mannschaften (oder ihr Kapitän) validieren gemeinsam die Punktzahl. Erst nach dieser Einigung kann man die Kugeln aufheben und den Stand notieren. Wenn sich die Mannschaften nicht einig werden, ruft man einen Schiedsrichter (im Wettbewerb) oder misst erneut.
3.Wer hat das Recht, die Punkte bekannt zu geben?
Im freien Spiel neigt jeder dazu, gleichzeitig bekannt zu geben, was manchmal Verwirrung stiftet. Im offiziellen Wettbewerb ist das Reglement klar: der Kapitän jeder Mannschaft validiert den Stand seiner eigenen Mannschaft. Jeder Kapitän bestätigt die Anzahl der vom Gegner erzielten Punkte (und nicht die seiner eigenen Mannschaft, um Interessenkonflikte zu vermeiden).
In der Amateurpraxis zählt eine einzige neutrale und respektierte Person die Punkte laut, beide Mannschaften bestätigen, und man notiert. Das Wesentliche ist, dass beide Mannschaften sich einig sind, bevor man die Kugeln aufhebt.
Im Wettbewerb kündigt man, bevor man eine einzige Kugel aufhebt, den Stand deutlich laut an und wartet auf eine visuelle Bestätigung (Kopfnicken, ok) der gegnerischen Mannschaft. Diese Gewohnheit von wenigen Sekunden wird euch viele nachträgliche Streitigkeiten ersparen.
4.Validierung und Aufheben der Kugeln
Hier wird das Reglement am häufigsten verletzt, auch von erfahrenen Spielern. Die Regel ist eindeutig: man hebt die Kugeln nicht auf, bevor der Stand von beiden Mannschaften validiert ist. Warum? Weil es nach dem Aufheben der Kugeln unmöglich ist, die Zählung anzufechten — die Beweise sind verschwunden.
Im Falle eines vorzeitigen Aufhebens durch einen Spieler der Mannschaft A, wenn Mannschaft B beanstandet, kann der Schiedsrichter die von B beanspruchten Punkte zusprechen (die Beweislast liegt bei der benachteiligten Mannschaft). Das ist eine strenge Sanktion, die eine gewonnene Aufnahme verlieren lassen kann.
Ebenso ist das Verschieben einer Kugel vor der Zählung ein Verstoß gegen das Reglement. Das Markieren der Kugeln am Boden vor jeder Bewegung ist obligatorisch, sobald man das Gelände verändert.
5.Tabelle der Zählsituationen
| Situation | Was tut man? | Regulatorische Grundlage |
|---|---|---|
| Offensichtlicher Abstand | Direkte Zählung | Art. 27 FFPJP |
| Zweifel über die nächste Kugel | Messung obligatorisch | Art. 26 FFPJP |
| Gleichliegende Kugeln (1 von jeder Mannschaft) | Null-Aufnahme möglich | Art. 28 FFPJP |
| Carreau: siegreiche Kugel bleibt, Zielkugel geht weg | Kugel gezählt, wenn näher | Art. 27 FFPJP |
| Aufheben vor Validierung | Verstoß — Beweislast beim Gegner | Art. 27 FFPJP |
| Anhaltende Uneinigkeit | Ruf nach dem Schiedsrichter | Allgemeines Reglement |
6.Sonderfälle: Carreau, gleichliegende Kugeln, null-Aufnahme
Das Carreau
Wenn ein Schuss ein Carreau macht (die geschlagene Kugel geht weg und die schießende Kugel bleibt an ihrem Platz), wird die schießende Kugel an ihrer neuen Position gezählt. Wenn sie näher an der Zielkugel liegt als alle gegnerischen Kugeln, zählt sie einen Punkt. Wenn die Zielkugel beim Carreau bewegt wurde, zählt man ab der neuen Position der Zielkugel.
Zwei Kugeln auf gleicher Entfernung
Wenn nach der Messung eine Kugel jeder Mannschaft streng auf derselben Entfernung von der Zielkugel liegt, hat keine von beiden den Punkt. Wenn es die zwei besten Kugeln beider Mannschaften sind und beide Mannschaften keine Kugeln mehr haben, ist die Aufnahme ungültig : wird kein Punkt vergeben, und man spielt ab derselben Position neu.
Die null-Aufnahme (Artikel 28 FFPJP)
Die Aufnahme ist null, wenn einer Mannschaft kein Punkt zugewiesen werden kann. Das ist der häufigste Fall, wenn die zwei besten Kugeln auf gleicher Entfernung liegen. Folge: kein Punkt, man spielt ab demselben Ort neu, dieselbe Mannschaft wirft die Zielkugel neu aus. Der Stand bleibt identisch mit dem vor der Aufnahme.
7.Die 5 häufigsten Zählfehler
Hier sind die häufigsten Fallen, die auf den Geländen beobachtet werden, vom Anfängerniveau bis zum Vereinsniveau:
1. Die Kugeln vor der Validierung aufheben — der häufigste und teuerste Fehler. Selbst eine unabsichtlich aufgehobene Kugel kann einen Streit auslösen. Wartet immer auf das ok beider Mannschaften.
2. Alle Kugeln der siegreichen Mannschaft zählen — klassischer Fehler: man zählt alle gelben Kugeln der Mannschaft A, ohne mit der besten Kugel von Mannschaft B zu vergleichen. Ergebnis: man notiert zu viele Punkte. Man muss immer zuerst die beste gegnerische Kugel bestimmen.
3. Eine Kugel verschieben, um besser zu sehen — jede Verschiebung vor der Zählung muss durch eine Markierung am Boden vorhergehen. Sonst, wenn die Kugel rollt, ist das ein sanktionierbarer Fehler.
4. Im Zweifelsfall nicht messen — viele Spieler entscheiden mit dem Auge, um schnell voranzukommen. Im Wettbewerb ist das nicht erlaubt, sobald es eine Beanstandung gibt. Man misst, und man misst vor dem Aufheben.
5. Die nächste gegnerische Kugel vergessen — man zählt die Kugeln der siegreichen Mannschaft bis zur nächsten gegnerischen Kugel, nicht bis zur letzten gegnerischen Kugel. Wenn die gegnerische Kugel auf der Entfernung die 3. ist, erzielt die siegreiche Mannschaft nur 2 Punkte.
So präzise pointieren, dass niemand jemals euren Stand beanstanden wird: Techniken der portée, demi-portée, Bodenlesen, Dosierung der Geschwindigkeit. Damit beim Messen nie wieder die gegnerische Kugel näher liegt als die eigene.
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