1.Das Prinzip: ein Boule-Wurf bleibt ein gültiger Wurf
Erste Sache, die man verstehen muss: das Cochonnet durch einen kräftigen Schuss vom Spielfeld zu befördern, ist kein Fehler. Es ist ein vollkommen erlaubter Wurf, oft sogar absichtlich, wenn eine Mannschaft gerade versucht, ein für den Gegner zu günstiges Cochonnet aus dem Feld zu befördern. Das Reglement bestraft nie einen Spieler dafür, »zu gut« geschossen zu haben.
Was sich hingegen ändert, ist das Schicksal der Aufnahme — und da hängt alles vom Zeitpunkt ab, an dem der Vorfall eintritt.
Merken Sie sich diese einfache Regel: sobald mindestens eine Boule jeder Mannschaft gespielt wurde in der Aufnahme, das Cochonnet herauszubefördern, annulliert sie nicht mehr — sie wird beendet und ganz normal gezählt, nach den bereits im Spiel befindlichen Boules.
2.Fall Nr. 1 — das Cochonnet verlässt das Feld schon beim ersten Wurf
Wenn das Cochonnet durch eine Boule vom Spielfeld geschleudert wird bevor eine weitere Boule gespielt wurde in der Aufnahme (typischerweise ein sehr früher Schuss auf ein schlecht geschütztes Cochonnet), ist die Aufnahme ungültig. Man wirft das Cochonnet einfach neu, und die Aufnahme beginnt vom selben Wurfkreis aus neu, ohne dass jemand einen Punkt erzielt.
3.Fall Nr. 2 — das Cochonnet verlässt das Feld während der Aufnahme, nach bereits gespielten Boules
Das ist der häufigste und am meisten falsch verstandene Fall. Wenn bereits Boules von beiden Mannschaften rund um das Cochonnet gelegt wurden und ein späterer Schuss es über die Grenzen befördert, stoppt die Aufnahme sofort und wird mit den Boules gezählt, die sich im Moment des Herausfliegens bereits auf dem Spielfeld befinden.
Anders gesagt: die Mannschaft, die im genauen Moment führte, als das Cochonnet das Feld verließ, erhält die Punkte, die ihrem Vorteil in diesem Augenblick entsprechen. Die Boules, die noch nicht gespielt wurden, werden einfach nicht mehr verwendet.
Gerade dieser Punkt macht den Unterschied zwischen erfahrenen und Anfänger-Mannschaften aus: ein gut platzierter Schuss auf das Cochonnet, zum richtigen Zeitpunkt, kann eine gewinnende Aufnahme endgültig sichern, ohne dem Gegner die Chance zu lassen, seine letzten Boules noch zu spielen. Ein echter taktischer Wurf, kein Zufall.
4.Wie wird dann die Aufnahme gezählt?
Die Zählung folgt genau denselben Regeln wie bei einer normalen Aufnahme: man vergleicht die im Spiel verbliebenen Boules und vergibt einen Punkt pro Boule der führenden Mannschaft, die näher am letzten bekannten Standort des Cochonnet liegt, bevor es das Feld verließ. Nicht gespielte Boules ändern nichts am Ergebnis, da sie nie geworfen wurden.
5.Was das Reglement unter »außerhalb des Spielfelds« versteht
Das Spielfeld ist bei offiziellen Turnieren klar abgegrenzt (Pflöcke, Schnüre, Markierungen). Ein Cochonnet gilt als »herausgeflogen«, sobald es diese Grenze vollständig überschreitet. Bei einem freien Spiel ohne strenge Abgrenzung müssen sich beide Mannschaften vorab darüber einigen, was als gültiges Herausfliegen gilt, idealerweise vor Beginn der Partie, um jeden letzten-Minute-Streit zu vermeiden.
6.Verbreitete Meinung vs. tatsächliche Regel: der Unterschied in Zahlen
Viele Vereinsspieler glauben noch immer, dass das Herausbefördern des Cochonnet die Aufnahme systematisch annulliert. Hier ist der Unterschied zwischen dieser verbreiteten Annahme und der tatsächlichen Anwendung des Reglements:
| Situation | Was das Reglement sagt | Falsche verbreitete Meinung |
|---|---|---|
| Cochonnet beim 1. Wurf herausgeflogen | Aufnahme null, man wirft neu | Automatischer Punkt für den Schützen |
| Cochonnet während der Aufnahme herausgeflogen | Aufnahme gezählt nach den im Spiel befindlichen Boules | Aufnahme immer annulliert |
| Absichtlicher Schuss auf das Cochonnet | Erlaubter Wurf, ohne Strafe | Als »unsportlich« beurteilter Wurf |
7.Der Reflex, den man auf dem Spielfeld haben sollte
Angesichts eines herausgeflogenen Cochonnet ist die erste Frage, die man sich stellen sollte, einfach: »wurden in dieser Aufnahme bereits Boules gespielt, von beiden Mannschaften?« Die Antwort bestimmt alles. Bei anhaltendem Zweifel in einem offiziellen Turnier ist allein der Schiedsrichter befugt, zu entscheiden.
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